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Artikel in den Ruhr-Nachrichten am 19.06.2008

 

Abschied nach 51840 Klassenarbeiten

 Interview mit Schulleiterin Doris Fock

Hörde - 42 Jahre nach ihrem ersten Arbeitstag als Lehrerin verlässt Doris Fock als Leiterin der Marie-Reinders-Realschule den Schuldienst. Einen Tag vor der heutigen Abschiedsfeier sprach sie mit Redakteur Peter Bandermann über ihr Berufsleben, 51840 korrigierte Klassenarbeiten und ihre letzte „2".

Frau Fock, seit 1966 eine Lehrerin und jetzt der Abschied. Würden Sie's nochmal tun?

Fock: Ja, ich gehe gern zur Schule. Ich freue mich, jeden Morgen die Kinder zu sehen. Ich habe immer gerne unter- richtet und Kinder gerne er- zogen - das ist mindestens genauso wichtig wie der Unterrichtsgedanke.

Was glauben Sie, wie die Kinder ihre Schulleiterin be- schreiben würden?

Fock: Zehntklässsler haben mich mal als elegant, schick und pingelig beschrieben. Irgendwo stand auch, dass ich anspruchsvoll und konsequent sei.

Welcher Eindruck dürfte bei Eltern hängen geblieben sein?

Fock: Mir ist es gelungen, einen engen Kontakt zu den Eltern und dabei große Transparenz zu schaffen. Die persönlichen Briefe „Neues aus der Hochofenstraße" sollten die Eltern an unserem Schulleben teilhaben lassen. Das war mir immer sehr wichtig.

Was denkt das Kollegium?

Fock: In einer Zeit, in der es Horde mit dem Ende der Stahlindustrie an den Kragen und auch der Schule sehr schlecht ging, konnte ich mit großen Teilen des Kollegiums Visionen für unsere Schule entwickeln. Das ist sicher hängen geblieben. Es gibt sicher auch Kollegen, die aufatmen, wenn ich weg bin.

Mit welchem Gefühl verlassen Sie die Schule?

Fock: Sicher mit Wehmut. Da war so ein Augenblick am 1. Mai. Ich war allein Zuhau- se und korrigierte meine 51840. Klassenarbeit. Unter die allerletzte Arbeit habe ich zum letzten Mal mir roter Tinte „gut" darunter gesetzt. Das war irgendwie ein bewegender Augenblick.

Keine andere Schule war so fest im gesellschaftlichen Leben des Stadtbezirks verankert wie die Marie Reinders.

Fock: Als dieser Stadtteil in Turbulenzen geriet, war schnell klar, dass das nicht spurlos an uns vorbeigehen wird. Väter unserer Schule waren plötzlich arbeitslos. Das war dann die Lebenswirklichkeit unserer Kinder. Wir haben vor 13 Jahren des- halb unser Schulfest direkt an der Schlanken Mathilde gefeiert und den Erlös dem Stadt- teil gespendet. Eine Schule darf sich nicht vom Stadtteil abschotten.

Ihre größte Enttäuschung?

Fock: Wenn wir es nicht schaffen konnten, einen Schüler bis zur 10. Klasse zu führen.

Ihr Wunsch für die Schule?

Fock: Dass Marie Reinders' Gedanke, mittellosen Mädchen eine höhere Schulbildung zu ermöglichen, auf die heutige Zeit übertragen weitergeführt wird. Das gilt natürlich auch für die Jungen.

Donnerstag ist das Abschiedsfest. Wann der letzte Arbeitstag?

Fock: Am 31. Juli.

Am 31. Juli?

Fock: Ja. Am 11. August fängt doch das neue Schuljahr an. Da muss ich noch viel vorbereiten.

Doris Fock mit einem Französischbuch vor typischem Tafelgrün:
Die Marie-Reinders-Chefin nimmt Abschied.
RN-Foto Bandermann

Rahm, Bracket, Nette, Hörde

Doris Fock (64) wurde in Hessen geboren und unterrichtete zunächst in Darmstadt und Marburg. Mit ihrem Mann zog sie in den 70ern nach Dortmund. Die Stationen: Hauptschule Jungferntal (Rahm), Otto-Hahn-Realschule (Brackel), Albrecht-Schweitzer-Realschule (Nette), Marie-Reinders-Realschule (seit 1989 dort als Schulleiterin). Ihr Nachfolger ist der Konrektor der Johann-Gutenberg-Realschule, Jörg Skubinn.

» www.marie-reinders-realschule.de

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